Holistisch oder ausgehöhlt?
Mittwoch 15. Juli 2009 von Wolfgang Barth
So könnte man die Überschrift “Holistic or Just Holes?” frei ins deutsche übersetzen, unter der bei Retail System Research die momentane Sortimentspolitik im USA der Krise diskutiert wird.
Von 1996 bis 2008 hat sich die Anzahl der Artikel im Sortiment eines typischen US-amerikanischen Lebensmittelhändlers um 50 % auf jetzt 47000 erhöht. Damit sind natürlich erhöhte Kosten wegen mehr Regalplatz, Logistik- und Personalaufwand einher gegangen. Die tun jetzt in Zeiten der Krise weh.
Man denkt deshalb darüber nach, die Sortimente schmäler zu machen. Man könnte es etwas polemisch auch “aushöhlen” nennen. Dabei will man aber Lokalisierung nicht komplett abschaffen, sondern auf weniger, jedoch gezielt eingesetzte, Artikel beschränken und das unter Berücksichtgung der verschiedenen damit verbundenen Kosten und Ertragschancen. Dies wird dann gerne – vielleicht ein bisschen hochtrabend – als “holistische” Sicht auf die gesamten Sortimente bezeichnet.
In einer Online-Befragung bei Retailwire bezeichnen (Stand heute) 74 % der Befragten eine Reduktion der Sortimente als “gesund”. Experten aus der Branche und Analysten gehen davon aus, dass die Sortimente innerhalb eines Jahres um ca. 15 % verschmälert werden.
Ein Kommentator sieht dies als einen ganz normalen Vorgang in ewigen Wechsel von “Ebbe und Flut” in Bezug auf Breite der Sortimente, die er in den vergangenen Jahrzehnten erlebt hat.
Im deutschen Markt ist der Umsatzeinbruch auf Grund der Finanzkrise im Lebensmittelhandel ja nicht in diesem Maße angekommen. Wird hier auch eine Diskussion zu diesem Punkt aufkommen?
Kategorie: Sortiments-Optimierung | 1 Kommentar »